Δευτέρα, 6 Ιουλίου 2015

Referendum in Griechenland: "Nein zur Vormachtstellung Deutschlands"

Rund zehn Millionen Griechen sind an diesem Sonntag aufgerufen, Ja oder Nein zu sagen - und Dutzende Länder warten mit Spannung auf dasErgebnis des kurzfristig angesetzten Referendums - nicht nur in Europa: Aus der griechischen Hauptstadt Athen berichten derzeit unter anderem auch Journalisten aus Australien, Brasilien und Japan.
Schon am frühen Sonntagmorgen
strömten die ersten Bürger in die Wahllokale, die von 6 bis 18 Uhr mitteleuropäischer Zeit geöffnet haben. Manche kamen allein, andere mit der Familie. Auch Ministerpräsident Alexis Tsipras hat bereits seine Stimme abgegeben, der Regierungschef und seine Koalition aus Links- und Rechtspopulisten werben für ein Nein bei dem Referendum.
Letzten Umfragen zufolge wird ein knappes Ergebnis erwartet. Formal geht es bei der Abstimmung lediglich um die Frage, ob die Griechen für weitere Hilfsgelder weitere Sparmaßnahmen akzeptieren. Tatsächlich dürfte das Ergebnis aber weitreichende Folgen haben: Viele Beobachter rechnen damit, dass ein Nein bei dem Referendum zu einem Ausscheiden Griechenlands aus derEurozone führen würde. Auch die europäischen Gläubiger haben die Abstimmung zu einem Votum über den Verbleib des südosteuropäischen Landes gemacht.
Das Ja- und das Nein-Lager stehen sich derzeit unversöhnlich gegenüber. SPIEGEL ONLINE hat am Sonntag vor Wahllokalen in Athen mit Bürgern über ihr Votum gesprochen.
Konstantinos, 45, Angestellter
Konstantinos: "Erpressungsversuch der Gläubiger"Zur Großansicht
Anna Psaroudakis/ SPIEGEL ONLINE
Konstantinos: "Erpressungsversuch der Gläubiger"
Ich habe mit Ja gestimmt - aber ich habe sehr lange überlegt, wie ich mich entscheiden soll. Für mein Land geht es um viel. Gezögert habe ich auch deshalb, weil es in meinen Augen ein Erpressungsversuch ist, wenn uns Vertreter der Gläubiger vor einem Nein beim Referendum warnen. Das ist ein schmutziges Spiel. Viele Leute sagen, es gehe bei dem Referendum auch um die Frage, ob Griechenland aus der Eurozone ausscheidet. Das sehe ich nicht so - denn diese Frage steht nicht auf dem Wahlzettel.
Florita Kyriakopoulou, 60, Künstlerin
Florita Kyriakopoulou: "Ein Nein würde unser Land ruinieren"Zur Großansicht
Anna Psaroudakis/ SPIEGEL ONLINE
Florita Kyriakopoulou: "Ein Nein würde unser Land ruinieren"
Es gibt für mich nur eine denkbare Entscheidung bei der Abstimmung: ein Ja. Denn ein Nein würde unser Land ruinieren. Vor allem den einfachen Leuten würde es noch schlechter gehen als jetzt. Die Regierung hat uns bislang nicht klar gesagt, was passieren würde, sollte es zu einem Bruch mit unseren Verhandlungspartnern kommen. Wer würde uns dann unterstützen? Griechenland gehört zu Europa - und ich wünsche mir von Herzen, dass man das auch in Zukunft so sagen wird.
Ioanna Molinou, 70, pensionierte Universitätsprofessorin
Ioanna Molinou: "Tsipras will uns von Europa wegführen"Zur Großansicht
Anna Psaroudakis/ SPIEGEL ONLINE
Ioanna Molinou: "Tsipras will uns von Europa wegführen"
Ich stimme mit Ja. Wir Griechen müssen ein starkes Signal senden, dass wir im Herzen Europas bleiben wollen. Es geht nicht nur um unsere Wirtschaft und um den Euro, es geht um die Frage, welchen Platz wir in der europäischen Ordnung einnehmen wollen. Ich bin der Meinung: Griechenland gehört ganz fest zu Europa.
Übrigens ist die überwältigende Mehrheit aller Griechen für den Euro, trotz aller Schwierigkeiten, die wir in den vergangenen Jahren hatten. Etwa 75 Prozent wollen auch in Zukunft die Gemeinschaftswährung, selbst Kommunisten und Linksradikale. Ich glaube, Premierminister Tsipras will uns in Wahrheit von Europa wegführen, und vor allem die jungen Leute merken nicht, was er im Schilde führt. Stimmt Griechenland heute mit Nein, befürchte ich, dass Banken geschlossen bleiben und das Geld noch knapper wird. Das wird das reinste Chaos.
Calliope Devetzi, 46, Anwältin
Calliope Devetzi: "Ich hoffe, dass Europa uns die Hand reicht"Zur Großansicht
Anna Psaroudakis/ SPIEGEL ONLINE
Calliope Devetzi: "Ich hoffe, dass Europa uns die Hand reicht"
Ich musste lange darüber nachdenken, wie ich heute abstimme. Am Ende habe ich mich für ein Ja entschieden. Die Eurozone hat 19 Mitglieder, Griechenland eingeschlossen. Ich fände es merkwürdig, wenn Griechenland sich gegen die anderen 18 Staaten stellt. Wie kommen wir dazu zu sagen, alle anderen haben unrecht?
Ich denke, wir müssen einsehen, dass ein Nein zu den Sparvorgaben auch keine bessere Zukunft für uns Griechen bedeutet. Wir sind ein kleines Land, und wir werden wohl immer mit Schulden klarkommen müssen. Aber zu glauben, dass wir ständig Geld von anderen bekommen, ohne den Gläubigern entgegenzukommen, halte ich für eine Fantasie.
Ich hoffe nur, dass Europa, wenn wir mit Ja stimmen, uns im Gegenzug die Hand reicht. Andernfalls werden wir in wirtschaftliche Nöte stürzen, wie meine Generation sie noch nicht erlebt hat. Selbst unsere Kinder werden dann für unsere Fehler bezahlen müssen.
Nasos Andahopoulos, 60, Architekt
Nasos Andahopoulos: "Wollen wir diese Wir-gegen-den Rest-Haltung?"Zur Großansicht
Anna Psaroudakis/ SPIEGEL ONLINE
Nasos Andahopoulos: "Wollen wir diese Wir-gegen-den Rest-Haltung?"
Als Architekt habe ich die Krise der vergangenen Jahre extrem stark zu spüren bekommen. Aber ich möchte heute den Blick nach vorne richten. Glauben die Nein-Sager ernsthaft, sie könnten mit ihrem Votum ändern, was alle anderen demokratischen Regierungen in Europa beschlossen haben? Wollen wir ernsthaft diese Wir-gegen-den Rest-Haltung?
Ich bin mir sicher, dass ein Ja unsere wirtschaftlichen Schwierigkeiten auch nicht sofort lösen wird. Aber so haben wir wenigstens eine Chance, eine Lösung mit den anderen zu finden. Vielleicht werde ich selbst davon nicht mehr profitieren, aber unsere Kinder und Enkelkinder werden es dann besser haben. Wenn wir heute mit Ja stimmen, ist es an Europa, uns einen Schritt entgegenzukommen.
Nikos Matziaris, 37, Koch
Nikos Matziaris: "Wir wollen unsere Würde zurück"Zur Großansicht
Anna Psaroudakis/ SPIEGEL ONLINE
Nikos Matziaris: "Wir wollen unsere Würde zurück"
Mein Nein ist eine Unterstützung für Premierminister Tsipras. Seine Regierung ist die erste, die sich für die Belange des einfachen Volkes einsetzt. Dass neuerdings die Banken geschlossen haben und wir nur noch 60 Euro am Tag abheben können, soll uns einschüchtern, aber jetzt werde ich erst recht mit Nein stimmen.
In den vergangenen fünf Jahren habe ich erlebt, was es für uns Griechen bedeutet, den Forderungen der EU nachzukommen. Ich habe zwei Kinder, und obwohl meine Frau und ich Arbeit haben, kommen wir kaum über die Runden. Es ist immer schlimmer geworden. Um mich herum sehe ich nur noch leidende Leute, und wenn meine Nachbarn leiden, leide auch ich.
Kann sein, dass ein Nein uns wirtschaftlich noch weiter schwächt. Aber es ist auch ein Signal gegen Unterdrückung. Wir wollen unsere Würde zurückgewinnen.
Artemis Mosholea, 32, Angestellte
Artemis Mosholea: "Griechenland braucht einen Schuldenschnitt"Zur Großansicht
Anna Psaroudakis/ SPIEGEL ONLINE
Artemis Mosholea: "Griechenland braucht einen Schuldenschnitt"
Mir macht nichts Angst: weder die Kapitalkontrollen noch die Drohung, Griechenland habe bei einem Nein keine Zukunft mehr in der Eurozone. Entsprechend habe ich mit Nein gestimmt. Ich bin zwar sicher, dass schwere Zeiten auf uns zukommen werden, aber wir müssen diesem Teufelskreis endlich ein Ende setzen: Denn auch die vergangenen fünf Jahre waren schlimm.
Man hört, dass es besonders in Deutschland Vorbehalte gegenüber einem Schuldenschnitt für Griechenland gibt. Ich hoffe aber, dass auch der deutsche Steuerzahler erkennt, dass sein Geld nicht in unsere Taschen fließt. Das Geld landet lediglich in einem schwarzen Loch der Schulden und verschwindet dort. Griechenland braucht einen Schuldenschnitt.
Chrisa Kousela, 37, Doktorandin
Chrisa Kousela: "Nein zur Vormachtstellung von Deutschland"Zur Großansicht
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Chrisa Kousela: "Nein zur Vormachtstellung von Deutschland"
Ich habe mit Nein gestimmt, für mich bedeutet das Folgendes: Es ist ein Ja zu Europa, aber ein Nein zum wirtschaftlichen Tod Griechenlands. Es ist ein Ja zu den europäischen Idealen, aber ein Nein zur Vormachtstellung von Ländern wie Deutschland. Es gibt 19 Länder in der Eurozone - und es wäre falsch zu denken, derzeit stünden 18 Mitglieder gegen Griechenland.
In Wirklichkeit ist es so: Deutschland hat 17 Euroländer an seiner Kandare. Ich hoffe, dass am Ende dieses Tages ein mehrheitliches Nein beim Referendum steht. Falls nicht, würde dies heißen, dass sich die Griechen eine willfährige Regierung wünschen, die zu allem Ja und Amen sagt, was man ihr vorlegt.
Alexandros Metaxas, 48, Jurist
Alexandros Metaxas: "Das Problem sind wir Griechen"Zur Großansicht
Anna Psaroudakis/ SPIEGEL ONLINE
Alexandros Metaxas: "Das Problem sind wir Griechen"
Es ist heute der wichtigste Moment in der jüngsten Geschichte Griechenlands. Von unserem Votum hängt die Zukunft des Landes ab - nicht nur für morgen und die nächsten Tage, sondern für viele Generationen.
Ich habe keine eigenen Kinder, trotzdem wünsche ich mir natürlich, dass auch die nachwachsende Generation die Chance auf ein gutes Leben haben wird: Deshalb habe ich heute mit Ja gestimmt. Ich vertraue unseren Gläubigern. Sie sind ruhig und gelassen, das Problem in der ganzen Angelegenheit sind wir Griechen: Wir wissen nicht, was wir wollen. Wir stehen aber in der Verantwortung, unser Land in Ordnung zu bringen. Wir können nicht erwarten, dass das andere für uns übernehmen. Ich hoffe sehr, dass mein Land erkennt, was derzeit auf dem Spiel steht.
Angela Boua, 46, Fitnesstrainerin
Angela Boua: "Meine Ersparnisse sind längst aufgebraucht"Zur Großansicht
Anna Psaroudakis/ SPIEGEL ONLINE
Angela Boua: "Meine Ersparnisse sind längst aufgebraucht"
Als Trainerin gehöre ich zur griechischen Mittelklasse, die in den vergangenen Jahren nahezu komplett vernichtet worden ist. Es hat eine unglaubliche Verarmung stattgefunden, und trotzdem fordern Länder wie Deutschland von uns noch höhere Steuern. Früher konnten Menschen wie ich mit ihrem Gehalt ihre Kinder unterstützen. Jetzt geht das kaum noch.
Ich glaube, es ist an der Zeit, dass wir laut und deutlich Nein sagen. Ich glaube, Deutschland hat große Angst, dass auch andere Länder wieItalien oder Spanien den Aufstand wagen. Ich habe keine Angst vor der Zukunft, weil ich nichts mehr habe. Meine Ersparnisse sind längst aufgebraucht. Selbst meine Tochter werde ich verlieren - sie ist erst 16 Jahre alt und plant schon jetzt, Griechenland so bald wie möglich zu verlassen.
Björn Hengst, Giorgos Christides, Hasnain Kazim (v.l.n.r.): Das SPIEGEL-ONLINE-Team befragte die Wähler in AthenZur Großansicht
Anna Psaroudakis/ SPIEGEL ONLINE
Björn Hengst, Giorgos Christides, Hasnain Kazim (v.l.n.r.): Das SPIEGEL-ONLINE-Team befragte die Wähler in Athen

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